Meine Literaturempfehlungen zum Thema: „Was ist Logotherapie“

Viktor E. Frankl: ... trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager. dtv. München, 200524.

Aus dem Vorwort: Im Konzentrationslager, in extremer trostloser und hoffnungsloser Situation fand Viktor Frankl Trost und Hoffnung im Vorgriff auf die Zukunft.

„Da stellte ich mir vor, ich stünde an einem Rednerpult in einem großen, schönen, warmen und hellen Vortragungssaal und sei im Begriff, vor einer interessierten Zuhörerschaft einen Vortrag zu halten unter dem Titel ‚Psychotherapeutische Erfahrungen im Konzentrationslager’ und ich spräche gerade von alledem, was ich soeben erlebte.“

Und nun stand er in diesem großen, schönen, warmen und hellen Saal und sprach. Nicht nur seine therapeutisch prophetische Phantasie, auch sein Lehre war triumphal bestätigt: Er konnte diesen Abend erleben, weil er ihn im Geist vorwegnehmend damals erlebt hatte.

Ein eindrückliches Werk, das mir in der ersten Zeit der Beschäftigung mit der Logotherapie verständlich machte, wie Viktor Frankl zu seinen Ideen kam.

Viktor E. Frankl: Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. Piper München, 200417.

Viktor E. Frankl, der Begründer der Logotherapie, gibt in diesem Buch einen Querschnitt durch sein gesamtes publizistisches Schaffen auf dem Gebiet der Psychotherapie und ihrer anthropologischen Grundlagen. Die Frage nach dem Sinn des Lebens bleibt ebenso aktuell wie Frankls Antworten darauf.

In knappen Kapitels immer wieder auf die Grundlagen und -ideen verweisendes Werk. Wie z.B. im Kapitel: Nach dem Sinn des Lebens fragen. Da steht gleich zu Anfang:

„Wir müssen lernen und die verzweifelten Menschen lehren, dass es eigentlich nie und nimmer darauf ankommt, was wir vom Leben noch zu erwarten haben, vielmehr lediglich darauf: was das Leben von uns erwartet!“

Viktor E. Frankl: Der Wille zum Sinn. Huber, Bern 20055.

In diesem Buch sind Vorträge zu finden, die bereits direkt nach dem Zweiten Weltkrieg veröffentlicht worden waren, wie z.B. ‚Die Existenzanalyse und die Probleme der Zeit’ (1947) oder ‚Der seelisch kranke Mensch vor der Frage nach dem Sinn des Lebens’, der als Buch unter dem Titel ‚Zeit und Verantwortung’ erschienen war usw.

Jeder in diesem Buch erschienen Vortrag ist in sich abgeschlossen, daher sind gewisse Überschneidungen zu finden. Die Vorträge bezeichnet Frankl als „Variationen über ein Thema, und das Thema lautet: Der Mensch ist ein Wesen auf der Suche nach einem Sinn, nach dem Logos, und dem Menschen Beistand zu leisten in der Sinnempfindung ist eine Aufgabe der Psychotherapie – ist die Aufgabe einer Logotherapie.“

Seidel, Mark (Hrsg.): Die Kunst sinnvoll zu leben. Bericht über die Jubiläumstagung zum 90. Geburtstag von Viktor Frankl. Vorträge und Seminare. Wien 19./20. Mai 1995. Institut für Logotherapie und Existenzanalyse, Tübingen/Wien.

Dieser Band vermittelt einen wunderbaren Überblick über lebensnahe allgemeine und spezielle Themen, wie beispielweise:

Solidarität und Suche nach Sinn
Wie kann man die Jugend wirklich fördern?
Sinn und Atmosphäre. Vom Heil und Unheil, das „in der Luft liegt“
Lebenskunst im Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft
Die Kunst, alt und älter und werden
Wie die Psychotherapie wirklich heilt
Seelische Gesunderhaltung bei helfenden Personen
Begleitung von Krebskranken
usw.

Ich zitiere aus dem Referat von Giosch Albrecht „Begleitung von Krebskranken“ einen Satz, der mir besonders nahe geht, weil er unmittelbar an meine Erfahrungen im Umgang mit Patienten und im Training mit den Professionellen anknüpft:

„Es ist doch sehr paradox, dass der ‚iatros’ (der Arzt) durch unvorsichtige oder wenig rücksichtsvolle Äußerungen, mit denen er die volle Wahrheit sagen zu müssen glaubt, genau das fördert, was er verhindern sollte, nämlich dass der Kranke noch kränker wird und stirbt, bevor er stirbt.“

Hadinger, Boglarka (Hrsg.): Mut in Zeiten der Resignation. Betrachtungen zur Bestimmung des Menschen. Verlag Lebenskunst Tübingen/ Wien 2004.

Dieses Buch ist ebenfalls ein Tagungsbericht, der zu Ehren meines Lehrers Prof. Dr. theol. Wolfram Kurz anlässlich seines 60. Geburtstages stattfand und im Jahre 2004 erschien.

Ich zitiere aus seinem Aufsatz: Zu werden, der man in der Tiefe seiner Seele ist

„Auf die ethische Grundfrage ‚Was soll ich tun’? gibt er die Antwort. Das sollst du tun: Werde, der du bist! (er stammt von dem großen, im Altertum hochgerühmten Dichter und Musiker Pindaros, 518-446 v. Chr.) Ein Orientierungssatz. Wenn du klug bist, dann halte dich an diesen Satz! Denn darauf kommt es im Leben an. Ganz offensichtlich auch ein Weisheitssatz. Wenn man schon ist, was man werden soll, ist man in gewisser Weise schon immer am Ziel. So gesehen: ein Satz des Trostes. Und natürlich impliziert der Satz auch Hoffnung und Ermutigung. Jeder hat die Möglichkeit, die zentrale Aufgabe seines Lebens zu erfüllen und soll es auch. Und so mancher mag angesichts dieses Satzes in eine gewisse Verzweiflung geraten. Dem zaghaften Zugriff des Geistes entzieht er sich. Demjenigen, der den geistigen Schnell-Imbiss liebt, bleibt er dunkel. Er will ausgehalten, reflektiert und meditiert werden ...“

Es sind Aufsätze, die Lebensfragen aus anthropologischer, philosophischer, psychotherapeutischer, soziologischer, theologischer ... Sicht beleuchten. Ich nehme sie mir immer wieder vor, weil sie ungeheuer anregend wirken und Sinnfragen klären helfen.

Hadinger, Boglarka: Mut zum Leben machen. Selbstwertgefühl und Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen stärken. Verlag Lebenskunst Tübingen/ Wien 2003.

Eine kleine Broschüre, in der das Modell zur Persönlichkeitsbildung in fünf „Stützpfeilern des gesunden Selbstwertgefühls“ erklärt wird. Ich finde es sehr anschaulich und nachvollziehbar. Es ist voller Humor und knüpft an die guten Erfahrungen im Methodenkurs von Frau Hadinger an.

Kurz, Wolfram und Boglarka Hadinger: Sinnvoll leben lernen. Verlag Lebenskunst Tübingen/ Wien 1999.

Ebenfalls eine kleine Broschüre, in der Prof. Wolfram Kurz zum Thema Suche nach Sinn und Dr. Boglarka Hadinger zu Methoden zur Einstellungsänderung referieren. Für diejenigen geeignet, die sich in einen kleinen Einblick in die Logotherapie verschaffen wollen und in den Aufbau der postgraduierten Weiterbildung.

Kurz, Wolfram und Franz Sedlak: Kompendium der Logotherapie und Existenzanalyse. Verlag Lebenskunst Tübingen/ Wien 1995. Bewährte Grundlagen und neue Perspektiven.

Das Kompendium mit seinem fast 800 Seiten ist für das Studium der Logotherapie und Existenzanalyse geeignet und stellt mit seinen 10 Kapiteln eine Übersicht über die Logotherapie und angrenzende Wissenschaften dar. Es verschafft vertiefende Einblicke in die Themen Logotherapie, Anthropologie und Ethik, in Psychotherapie und Methoden, Beratung und Methoden, Seelsorge, Allgemeinpädagogik, Heilpädagogik, Religionspädagogik, Soziologie usw.

Hier kommen einige derjenigen Wissenschaftler und Therapeuten zu Wort, die im deutschsprachigen Raum mit Viktor Frankl in enger Verbindung standen wie u.a. Karlheinz Biller, Uwe Böschemeyer, Wolfram Kurz, Elisabeth Lukas, Stephan Peeck und Franz Sedlak.

Das Werk bietet sowohl vertiefende Einblicke in die theoretischen Grundlagen als auch in die Methoden und deren Anwendung in der Praxis.

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